Monatsarchiv: November 2008

Wir werben mit dem Genozid!

Woran denkt ihr, wenn ihr das Wort „Genozid“ hört? Ich an die Schwarzweißfotos von Leichenbergen in den Konzentrationslagern der Nazis, an die Bedeutung des Wortes, den systematischen Völkermord, kurz gesagt ganz einfach an das schlimmste Verbrechen, zu dem totalitäre Regime auf der ganzen Welt fähig waren und sind.

 

Dementsprechend verwundert war ich deshalb, als mir Kollege Peter Pugganig kürzlich den Link www.agb-antigenozidbewegung.at schickte. Zur Vorgeschichte: Ein Mitglied dieser Bewegung hatte bei ihm angefragt, ob wir einmal etwas darüber berichten wollen. Peter Pugganig verwies die besagte Person an mich – und schickte mir den Link als Vorwarnung. Und wer nun vermutet, dass es sich dabei um eine Organisation handelt, die konkret gegen die Völkermörder dieser Welt vorgeht – falsch gedacht! Dabei handelt es sich um Menschen, die unter der Angst leiden, dass bald jedes Produkt und jeder Mensch auf dieser Welt mit einem speziellen Ortungs-Computerchip (RFID-Chip: Radio Frequenz Indentifikationschip) ausgestattet sein wird. Bereits jetzt habe man begonnen, solche Chips auf gewisse Produkte zu kleben, um ihren Weg in unsere Haushalte zu verfolgen und das Konsumverhalten gewisser Menschen zu untersuchen. Doch das ist (natürlich!) erst der Anfang! Bald, so ist man sich bei der Anti-Genozid-Bewegung (AGB) sicher, ist jeder Mensch gechippt. Stichwort „gläserner Mensch“ – man könne jeden unserer Schritte verfolgen, man wisse alles über uns. Von der „totalen Überwachung der gesamten Menschheit“ ist da die Rede und (eh klar!) davon, dass diese Entwicklung „von den Medien weitgehend verschwiegen wird“.

 

Doch, Moment! Was hat das bitte alles mit dem Genozid, dem Völkermord, zu tun? Um die Gedankengänge vom Computerchip bis zu diesem Wort verfolgen zu können, muss man auf der Website schon ein bisschen herumsuchen. Wenn nun jeder Mensch einen Chip implantiert bekommen hat, so die AGB, kann Personen, die kritisch gegen die Herrschenden auftreten oder sich nicht anpassen, der Zutritt zu Gebäuden, Firmen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Ärzten etc. verwehrt werden. Denn da dürfen nur Leute mit „freigeschaltetem“ Chip rein. Für die Gruppe wäre solch ein Zustand ganz klar „der Grundstein für einen neuen Genozid“, weil diese Technik ein „lebensbedrohliches Ausgrenzen“ ermögliche.

 

Derzeit versucht die Bewegung, Stimmen gegen die flächendeckende Überwachung zu sammeln – um ein Gesetz gegen diese Chips zu erzwingen. Auf der Homepage werden auch Tipps gegeben, was man gegen den Chip-Wahnsinn tun kann: Etwa im Supermarkt bei Produkten, die mit solchen Chips ausgestattet sind, diesen entfernen. Oder: T-Shirts der Organisation tragen. Oder: Etwas, das man „liebt“, aufgeben: „Wenn Sie nur schon einen Artikel aufgeben, der von einer RFID unterstützenden Firma hergestellt wird, können Sie schon Einfluss ausüben und haben das Gefühl, etwas getan zu haben“ (sic!). Außerdem: „Schreiben Sie Leserbriefe an Zeitungen, Kommentatoren, Radiomoderatoren oder ans Fernsehen!“ (Hahaha, die freuen sich sicher schon drauf!)

 

Über die schauderhafte Umfrage auf dieser Homepage möchte ich mich gar nicht erst auslassen. (unter anderem: „Sie sind ein freier Mensch, dürfen sich frei bewegen und selbst entscheiden wohin Sie gehen, was Sie kaufen usw.! – Wollen Sie dass das so bleibt? ()Ja ()Nein“ oder „Jeder der diesen Chip nicht annimmt, weil er auf seine Privatsphäre, bzw. auf sein Individualrecht besteht, kann dann vom wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. – Befürworten Sie dies? ()Ja ()Nein“ Meine Idee – eine ergänzende und natürlich ebenso wenig suggestive Frage: „Leiden Sie gerne an Magen-Darmgrippe? ()Ja ()Nein“)

 

Die Ziele und Anschauungen dieser Gruppe sind für mich weder verständlich noch ernst zu nehmen. Die AGB-Mitglieder mögen sich ihre Gedanken zu diesem Thema machen – das kann und will ihnen kein Mensch verbieten. Doch wenn diese Leute Begriffe, wie den Genozid für ihre Zwecke missbrauchen, damit Angst schüren und ihre doch reichlich paranoiden Vorstellungen rechtfertigen wollen, so ist das mehr als eine maßlose Übertreibung. Es ist eine Verharmlosung des Völkermordes und eine Herabwürdigung seiner Opfer.

 

Nun, nur für den Fall, dass sich wirklich ein AGB-Mitglied bei mir meldet: Ich glaube, ich wäre versucht, ihm drei Sachen mit auf seinen Weg zu geben:

1.      „So etwas hat bei uns keinen Platz, wir sind schließlich keine Spaßzeitung“,

2.      „Sie haben aber Nerven, mich anzurufen. Wissen Sie, in welche Situation Sie mich damit vor dem System bringen?“ und

3.      „Ich leg jetzt auf. Leute ohne Chip haben bei uns schon einmal überhaupt nix zu melden.“

Ein Kommentar

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Drei Schüsse ins selbe Knie

 

Heute geisterte eine Presseaussendung des „Instituts für wirtschaftliche Ölheizung“ (IWO) durchs Land. Sie enthielt die Ankündigung, dass eine Ölheizung die billigste Art zu heizen sei – nicht teuer in der Anschaffung, und außerdem ist Öl ja so billig.

 

zur-presseaussendung

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Aha, das ist aber einmal eine Überraschung. Und noch dazu keine leere Behauptung, denn: Das PR-Institut Menedetter hat den Taschenrechner zur Hand genommen und errechnet, dass auf 15 Jahre gesehen eine Ölheizung das „günstigste Heizsystem“ ist. Schlicht und einfach gesagt: diese Behauptung ist nicht nur eine Frechheit sondern gleich ein dreifacher Schuss ins eigene Knie.

 

1. Schuss: Laut „Heizkostenvergleich“ in der E-Mail-Anlage ist nicht Öl, sondern ganz einfach ein Brennholz-System die günstigste Alternative. Doch im Pressetext steht davon natürlich nichts – und in dieser Aufstellung dürfte man vergessen haben, die betreffende Spalte rauszulöschen.

 

2. Schuss: Die Leute an den Taschenrechnern gehen davon aus, dass der Ölpreis in den nächsten 15 Jahren nicht steigt. HALLO???

 

3. Schuss: 15 Jahre ist dann wohl doch eine etwas kurze Lebenszeit für ein „Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnnutzfläche“ mit dazugehörigem Heizsystem. Also habe ich mir einmal angeschaut, wie denn die Situation nach einer etwas längeren Zeit aussieht.

 

15 Jahre: Wie gesagt: Holz ist schon auf diesem Zeitraum gesehen unschlagbar (1.618 Euro Anschaffung + Energiekosten pro Jahr). Erst danach kommt die vielgepriesene Ölheizung (2.170 Euro). Allerdings ganz knapp gefolgt von: Erdwärme (2.241 Euro – trotz hoher Anschaffungskosten!), Erdgas- (2.252 Euro) und Pelletsheizung (2.329 Euro).

 

Wie man allerdings auf reine Energiekosten von 1.853 Euro pro Jahr bei der Fernwärme kommt (gesamt: 2.520 Euro), bleibt das Geheimnis von Menedetter-PR. Da die „Jahresbrennstoffkosten“ in der Fernwärme-Spalte in „kWh“ angegeben werden vermute ich zumindest, dass davon ausgegangen wird, dass die Energie für Fernheizwerke noch aus Gaspipeline/Steckdose kommt – dabei ist ganz klar der Trend zur Umrüstung auf Biomasse im Fernwärme-Bereich da! Mit der Situation in mehreren Jahren hat deswegen schon diese Berechnung als Ganzes keinen Wert. Aber einmal abgesehen davon:

 

Dreht man das Rad der Zeit ein bisschen weiter, auf 25 Jahre heizen mit den angegebenen Systemen, so ist schon eine erste Trendumkehr festzustellen: Brennholzsysteme sind weiterhin am günstigsten (1.415 Euro Anschaffung + Energiekosten pro Jahr), dann kommt schon das Erdwärmesystem (1.695 Euro), eine Pelletsheizung schlägt sich mit 1.804 Euro zu Buche und dann – hört, hört! – folgt die Ölheizung mit 1.956 Euro (Erdgas: 1.972 Euro). Also: fossile Brennstoffsysteme haben ganz klar das Nachsehen.

 

 

Noch eklatanter wird das ganze nach einem Zeitraum von 50 Jahren (Ja, liebe Schreiber von Menedetter-PR, es gibt Häuser, die so lange stehen, und auch Leute, die so lange in einem Haus wohnen und auch Winter für Winter heizen).

 

Brennholz: 1.215 Euro Anschaffung + Energiekosten pro Jahr

Erdwärme: 1.285 Euro

Pellets: 1.410 Euro

Erdgas: 1.762 Euro

Öl: 1.796 Euro

Fernwärme (für mich nicht nachvollziehbar, aber bitte): 2.053 Euro

 

So viel zu den Kosten pro Jahr. Und selbst unter der Annahme, dass der Ölpreis in den nächsten 50 Jahren NICHT steigen wird, ergeben sich Gesamtkosten von:

Brennholz: 60.750 Euro Anschaffung + Energiekosten gesamt

Erdwärme: 64.250 Euro

Pellets: 70.500 Euro

Erdgas: 88.100 Euro

Öl: 89.800 Euro

Fernwärme: 102.650 Euro

 

Die Pressemitteilung ist somit eindeutig falsch und irreführend – die mitgelieferte Preisaufstellung enthält bei genauerem Hinsehen aber blöderweise genau die Aussage, die bei den Verantwortlichen von Instituten wie dem IWO seit Jahren für kalten Angstschweiß sorgt: Mit fossilen Brennstoffen geht’s bergab, in Biomasse und alternativen Energieformen liegt die Zukunft.  

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