Drei Schüsse ins selbe Knie

 

Heute geisterte eine Presseaussendung des „Instituts für wirtschaftliche Ölheizung“ (IWO) durchs Land. Sie enthielt die Ankündigung, dass eine Ölheizung die billigste Art zu heizen sei – nicht teuer in der Anschaffung, und außerdem ist Öl ja so billig.

 

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Aha, das ist aber einmal eine Überraschung. Und noch dazu keine leere Behauptung, denn: Das PR-Institut Menedetter hat den Taschenrechner zur Hand genommen und errechnet, dass auf 15 Jahre gesehen eine Ölheizung das „günstigste Heizsystem“ ist. Schlicht und einfach gesagt: diese Behauptung ist nicht nur eine Frechheit sondern gleich ein dreifacher Schuss ins eigene Knie.

 

1. Schuss: Laut „Heizkostenvergleich“ in der E-Mail-Anlage ist nicht Öl, sondern ganz einfach ein Brennholz-System die günstigste Alternative. Doch im Pressetext steht davon natürlich nichts – und in dieser Aufstellung dürfte man vergessen haben, die betreffende Spalte rauszulöschen.

 

2. Schuss: Die Leute an den Taschenrechnern gehen davon aus, dass der Ölpreis in den nächsten 15 Jahren nicht steigt. HALLO???

 

3. Schuss: 15 Jahre ist dann wohl doch eine etwas kurze Lebenszeit für ein „Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnnutzfläche“ mit dazugehörigem Heizsystem. Also habe ich mir einmal angeschaut, wie denn die Situation nach einer etwas längeren Zeit aussieht.

 

15 Jahre: Wie gesagt: Holz ist schon auf diesem Zeitraum gesehen unschlagbar (1.618 Euro Anschaffung + Energiekosten pro Jahr). Erst danach kommt die vielgepriesene Ölheizung (2.170 Euro). Allerdings ganz knapp gefolgt von: Erdwärme (2.241 Euro – trotz hoher Anschaffungskosten!), Erdgas- (2.252 Euro) und Pelletsheizung (2.329 Euro).

 

Wie man allerdings auf reine Energiekosten von 1.853 Euro pro Jahr bei der Fernwärme kommt (gesamt: 2.520 Euro), bleibt das Geheimnis von Menedetter-PR. Da die „Jahresbrennstoffkosten“ in der Fernwärme-Spalte in „kWh“ angegeben werden vermute ich zumindest, dass davon ausgegangen wird, dass die Energie für Fernheizwerke noch aus Gaspipeline/Steckdose kommt – dabei ist ganz klar der Trend zur Umrüstung auf Biomasse im Fernwärme-Bereich da! Mit der Situation in mehreren Jahren hat deswegen schon diese Berechnung als Ganzes keinen Wert. Aber einmal abgesehen davon:

 

Dreht man das Rad der Zeit ein bisschen weiter, auf 25 Jahre heizen mit den angegebenen Systemen, so ist schon eine erste Trendumkehr festzustellen: Brennholzsysteme sind weiterhin am günstigsten (1.415 Euro Anschaffung + Energiekosten pro Jahr), dann kommt schon das Erdwärmesystem (1.695 Euro), eine Pelletsheizung schlägt sich mit 1.804 Euro zu Buche und dann – hört, hört! – folgt die Ölheizung mit 1.956 Euro (Erdgas: 1.972 Euro). Also: fossile Brennstoffsysteme haben ganz klar das Nachsehen.

 

 

Noch eklatanter wird das ganze nach einem Zeitraum von 50 Jahren (Ja, liebe Schreiber von Menedetter-PR, es gibt Häuser, die so lange stehen, und auch Leute, die so lange in einem Haus wohnen und auch Winter für Winter heizen).

 

Brennholz: 1.215 Euro Anschaffung + Energiekosten pro Jahr

Erdwärme: 1.285 Euro

Pellets: 1.410 Euro

Erdgas: 1.762 Euro

Öl: 1.796 Euro

Fernwärme (für mich nicht nachvollziehbar, aber bitte): 2.053 Euro

 

So viel zu den Kosten pro Jahr. Und selbst unter der Annahme, dass der Ölpreis in den nächsten 50 Jahren NICHT steigen wird, ergeben sich Gesamtkosten von:

Brennholz: 60.750 Euro Anschaffung + Energiekosten gesamt

Erdwärme: 64.250 Euro

Pellets: 70.500 Euro

Erdgas: 88.100 Euro

Öl: 89.800 Euro

Fernwärme: 102.650 Euro

 

Die Pressemitteilung ist somit eindeutig falsch und irreführend – die mitgelieferte Preisaufstellung enthält bei genauerem Hinsehen aber blöderweise genau die Aussage, die bei den Verantwortlichen von Instituten wie dem IWO seit Jahren für kalten Angstschweiß sorgt: Mit fossilen Brennstoffen geht’s bergab, in Biomasse und alternativen Energieformen liegt die Zukunft.  

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