Ich will meinen Prüller zurück!

Noch nie hat mir die österreichische Sportreporter-Legende Heinz Prüller so gefehlt, wie am vergangenen Wochenende. Nicht nur, dass ich es einfach schade finde, dass er im ORF nicht mehr die Formel 1-Rennen kommentieren darf, sondern weil am Wochenende der Formel 1-Zirkus in Monte Carlo gastierte. Doch dazu später.

Heinz Prüller kommentierte die Rennen mit Leib und Seele, verschlief zwar die eine oder andere spannende Szene in der Live-Übertragung oder missinterpretierte sie sogar (Legendär: „Oh mein Gott, Hamilton wird langsamer!“ *Pause* „Oder ist das . . . die Zeitlupe.“). Doch er vereinte gleich mehrere der besten Eigenschaften, die ein Journalist haben kann, in sich: Ehrgeiz und absolute Hartnäckigkeit (ebenso legendär wie das oben erwähnte Zitat ist auch die Geschichte, als er als Teenager ausbüchste, nach Maranello fuhr, sich aufs Ferrari-Gelände einschlich und dem als extremst öffentlichkeitsscheu bekannten Enzo Ferrari ein Interview abrang), perfekte Kontakte zu den wichtigsten Leuten im Geschäft und – daraus sich ergebend – fundiertes Hintergrundwissen (Ja, neben der toten Schildkröte von Mika Hakkinen waren da sensationelle Informationen dabei) sowie – was nicht unwesentlich ist für eine Person des öffentlichen Lebens – jede Menge Selbstironie als er ob seiner Schrulligkeit belächelt und karikiert wurde.

Nun ist, wie gesagt, der Große Preis von Monaco über die Bühne gegangen. Und erstmals konnte im internen Kreis „Prüllers großes Monte Carlo-Bingo“ nicht mehr veranstaltet werden. Wie das funktioniert hat? Jeder Mitspieler notiert sich fünf Geschichten über den Grand Prix von Monaco – ob sie nun spektakulär sind, oder nicht. Woher man diese Insider-Storys hat? Erraten – von Heinz Prüller persönlich, der genau diese Geschichten schon im Jahr zuvor erzählt hatte. Und zuvor. . . und zuvor. . . (unerwähnt bleibt an dieser Stelle natürlich, wie viele Motoren während dieser Ausflüge in die Formel 1-Geschichte in die Luft flogen, bei wie vielen Massenkarambolagen währenddessen das halbe Feld ausfiel oder wie viele der tollkühnen Männer in der Zeit, als Heinz Prüller aus dem Näh- ähm, Werkzeugkästchen plauderte, Millionenschäden an ihren Autos verursachten. Wobei: Nachher betrachtet wusste er stets ganz genau, wer zwanzig, dreißig Jahre zuvor an exakt dieser Stelle sein Rennen unfreiwillig beenden musste).

Jedenfalls: Der Spieler, der sich die fünf Storys, die Heinz Prüller während des aktuellen Qualifyings und Rennens zuerst erzählte, ausgesucht hatte, gewann. Und hier ist das Best Of – sozusagen Prüllers beste Monte Carlo-Geschichten. Er erzählte verlässlich im Verlauf eines Grand Prixs. . .

. . . wie viele Formel 1-Piloten in Monaco schon ins Meer  gestürzt waren („. . .doch glücklicherweise ertranken sie damals nicht, weil es ja noch keine Sicherheitsgurte gab.“)

. . . von dem legendären Rennen 1970, in dem sich Jochen Rindt in der letzten Kurve der letzten Runde noch den Sieg vor Jack Brabham sicherte („. . .wie Sie sich sicher noch erinnern können. . .“)

. . . von dem Duell mit drei Überholmanövern zwischen Grünschnabel Alexander Wurz und dem mehrmaligen Weltmeister Michael Schumacher zwischen Haarnadelkurve und Tunnel

. . . dass Ayrton Senna während seiner schnellsten Qualifying-Runden die Luft anhielt

. . . von dem „fürchterlichen Unfall, den der Österreicher Karl Wendlinger“ bei der Ausfahrt aus dem Tunnel „nach mehreren Tagen im Koma gottseidank überlebte“

. . . dass „so wie beim Grand Prix von Sao Paolo die Boxengasse anders gebaut ist und die Autos daher von links betankt werden müssen“

. . . von dem „unglaublichen Rennen, hier in Monaco, als nur drei Autos in Ziel kamen und bei dem Olivier Panis als Sieger hervorging“. Was damals natürlich eine große Sensation war.

. . . dass der Fahrer des Safety-Cars Bernd Mailaender heißt (natürlich auch auf andere Rennen anzuwenden)

. . . welchen Satz der Fürst von Monaco zu dem Gewinner in der Fürstenloge sagt („Ich freue mich, dass Sie es sind“ – kam mehrmals an einem Monaco-Wochenende vor und lief daher beim Prüller-Bingo außer Konkurrenz)

. . . dass die obligatorische Sekt-Spritzerei bei der Siegerehrung vor den Stufen zur Fürsten-Loge stattfindet („Aus Respekt vor dem Fürsten, wie Sie sich sicher denken können.“)

Ich glaube, ich könnte noch stundenlang so weitermachen – doch es bleibt mir nur eines zu sagen: Danke, Heinz Prüller, für all dieses Wissen. Ich vermisse Sie und hoffe doch sehr stark auf ein Wiedersehen (-hören). Denn Ihr Nachfolger Ernst Hausleitner gab während Rennen und Qualifying keine einzige dieser Geschichten zum Besten – und das, obwohl Alexander Wurz neben ihm saß.

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