Monatsarchiv: September 2010

Soziale Stecher

Für: ST. VEITER, Ausgabe 16-2010

Schräge Sozial-Aktion: Im Tattoo-Studio „Mosquito“ in St. Veit wird für den guten Zweck tätowiert. Spendern wird ein eigens entworfenes Logo gestochen.

Jeder hat noch die gelben Livestrong-Armbänder aus Gummi in Erinnerung, mit denen man auf Initiative von Rad-Star Lance Armstrong Krebskranke unterstützen konnte. Spender zeigten ihre soziale Ader nach außen hin; Wohltätig zu sein und/oder das gelbe Armband zu tragen, war plötzlich in. Eine ähnliche Aktion planen nun Angelika und Rudi Mang vom Tattoo-Studio „Mosquito“ in der St. Veiter Kirchgasse. Nur: Einfach abstreifen kann man ihr Kennzeichen für eine geleistete Spende nicht – sie setzen ihren Klienten nämlich für den guten Zweck die Tattoo-Nadel an.

Helfende Hände. „Es gibt Tattoo-Studios, die widmen sich einen Tag lang dem guten Zweck und spenden ihre Einnahmen, die sie an diesem Tag machen. Doch wir wollten etwas schaffen, das wir das ganze Jahr über anbieten können“, erklärt Angelika Mang. Und so entwarfen sie und ihr Mann ein etwa vier Zentimeter großes Logo, das einer Hand nachempfunden ist – einer „helfenden Hand“. Das Tattoo kostet 80 Euro, davon werden 40 Euro gespendet, der Rest geht für den Materialeinsatz drauf. „Derzeit kann man sich für eine von drei Farben entscheiden. Wir haben eine Hand in den Kärntner Landesfarben gestaltet, eine ist in Rot-Weiß-Rot gehalten und die dritte Hand erinnert an die Form von Afrika“, sagt Rudi Mang. Damit gibt der Träger des Tattoos auch gleich ein Statement ab, wo der von ihm gespendete Betrag zum Einsatz kommt: In Kärnten, im Bundesgebiet oder bei einem internationalen Projekt.

Tattoos mit Sinn. So viel zur Idee. Doch gibt es tatsächlich Leute, die sich tätowieren lassen um Geld spenden zu können? Mang nickt überzeugt. „Ja, auf jeden Fall. Wir haben diese Aktion noch nicht der Öffentlichkeit präsentiert sondern nur mit Freunden und Kunden darüber gesprochen. Und die waren absolut begeistert davon“, sagt Angelika Mang. Seine Frau kann es sich sogar vorstellen, dass diese Aktion bei manchen Leuten dazu führen kann, dass sie sich ihr erstes Tattoo stechen lassen. „Viele würden sich ja gerne tätowieren lassen, wissen aber nicht, für welches Motiv sie sich entscheiden sollen. Oder sie haben Bedenken, was die Sinnhaftigkeit einer Tätowierung angeht. Mit dem Gedanken, jetzt etwas für einen guten Zweck getan zu haben, wäre dieser Sinn gegeben“, sagt sie.

Gegen Vorurteile. Mit der Aktion „Helfende Hände“ wollen sie auch für mehr Toleranz gegenüber tätowierten Menschen werben. Denn obwohl Tattoos schon seit einiger Zeit salonfähig geworden sind und Tattoo-Studios sich über eine stetig wachsende Kundenschar freuen können, halten sich dennoch Vorurteile. „Wir möchten eine Brücke schaffen zwischen Gegnern und Befürwortern. Denn bei dieser Aktion geht es nicht um die Tätowierung an sich, sondern um die Menschen, die von den Spenden profitieren“, sagt Rudi Mang.

Transparenz. Dafür, dass das gespendete Geld auch an die richtigen Einrichtungen kommt, sorgen die Tätowierer selbst – ohne Verwaltungskosten. „Transparenz wird bei uns großgeschrieben. Wir werden in der Öffentlichkeit präsentieren, was mit jedem einzelnen Euro, der für diese Aktion eingenommen wird, passiert ist“, sagt Angelika Mang. Die beiden würden sich auch darüber freuen, wenn sich andere Tattoo-Studios ihrer Aktion anschließen würden – und die „Helfenden Hände“ zumindest einmal in Österreich ähnlichen Kultstatus erreichen, wie einst die Livestrong-Armbänder.

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Für die Stille konserviert

Für: ST. VEITER, Ausgabe 17-2010

ST. VEITER-Lokalaugenschein am Hochofen in der Heft: 15 Jahre nach der Landesausstellung und ein Jahr nach der letzten Veranstaltung steht der aufwändig umgebaute Komplex leer. Nutzungskonzepte liegen auf Eis.

Es wirkt wie ein im Nirgendwo von Hüttenberg notgelandetes Raumschiff: Die gewaltige Stahlkonstruktion am ehemaligen Hochofen, die Platz für Ausstellungen und Veranstaltungen bietet. Nur eine enge Straße und ein paar Wanderwege führen zu dem Gebäude in der Heft, das im Zuge der Landesausstellung 1995 („Grubenhunt und Ofensau“) um 90 Millionen Schilling (6,5 Millionen Euro) umgebaut wurde. Ein paar Wanderer rasten im Schatten der mächtigen Anlage, alle zehn, fünfzehn Minuten fährt ein Auto vorbei. Wurden hier in den Jahren nach der Landesausstellung noch Veranstaltungen abgehalten, so herrscht seit einem Jahr völlige Stille. Was man auch am Zustand des Gebäudes bemerkt: Die Glasfronten sind staubig, einzig und allein Spinnen dürften sich hier richtig wohlfühlen – ihre Netze an den Türen weisen darauf hin, dass auch diese schon seit einiger Zeit nicht mehr geöffnet wurden.

Ein Jahr Stille. Die letzte Veranstaltung in der Heft ist am 30. September 2009 über die Bühne gegangen, die Spargelwirte hatten an diesem Tag einen Kalender präsentiert. Ein Transparent im Eingangsbereich begrüßt die Besucher noch immer herzlich zur „Biennale Austria“ – sie fand im Jahr 2006 statt. Der Hüttenberger Bürgermeister Josef Ofner zuckt mit den Schultern. „Die Heft wurde noch bis ins Jahr 2007 mit regelmäßigen Veranstaltungen am Leben erhalten. Doch jetzt greifen unsere Vereine auf das Musikzentrum Knappenberg zurück, wenn sie etwas organisieren. Die Infrastruktur dort ist einfach besser“, sagt Ofner.

Keine Tibetische Uni. Die Gemeinde Hüttenberg hat nichts mehr mit dem umgebauten Hochofen zu tun, er befindet sich im Besitz der Finanzabteilung des Landes Kärnten. „Ursprünglich war geplant, hier eine Tibetische Universität einzurichten, in Zusammenhang mit dem Tibetzentrum. Doch das ist nicht zustande gekommen, jetzt passiert dort oben nichts“, erklärt Heinz Diancourt von der Finanzabteilung. Über mögliche Projekte in der näheren Zukunft sei ihm nichts bekannt.

Geld fehlt. Ideen genug hat Stefan Zoltan. Ende 2009 wurde er damit beauftragt, ein Konzept für Hüttenberg zu erstellen, das auch die Heft umfasste. „Ich bin mir dabei vorgekommen wie im Jahr 1995, als es um ein Nachnutzungskonzept für die Heft ging. Damals entstand die Idee, die Kunstsammlung von bauMax-Gründer Karlheinz Essl im Hochofen unterzubringen. Die Landespolitik klatschte Beifall – doch schlussendlich fehlte das Geld“, sagt Zoltan. Mittlerweile ist er sich sicher, dass auch aus seinem neuesten Konzept nichts wird: Wieder sind die Gespräche im Sand verlaufen, finanziell sieht es auch nicht gut aus – „und wenn bis jetzt noch nichts passiert ist, wird auch in nächster Zeit nichts passieren.“

Zukunft? 100.000 Euro pro Jahr würde Hüttenberg für die Umsetzung von Zoltans Konzept benötigen, dann wäre man „aus dem Schneider“ – etwa was die Realisierung der Veranstaltungsreihe „Mythos Berg“ anginge. So schwebte Zoltan vor, ganz im Zeichen Heinrich Harrers, bekannte Bergsteiger nach Hüttenberg zu bringen. Wie sieht er nun die Zukunft der Heft? „Die wird wohl irgendwann zusammenfallen“, sagt Zoltan, nicht ohne einen leisen, verbitterten Unterton. Doch zumindest zusammenfallen sollte das Gebäude nicht – laut Bürgermeister Ofner werden die alten Gemäuer, wenn schon nicht mit Leben erfüllt, so doch zumindest erhalten; oder anders ausgedrückt: Für die Stille konserviert.

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