Monatsarchiv: April 2012

Keine Verkäuferin, nicht verletzt

Die junge Klagenfurterin verstand die Welt nicht mehr, als eines Tages ihr Telefon heißlief: Wie es ihr gehe? Ob sie noch immer geschockt sei? Wie schwer ihre Kopfverletzungen denn eigentlich seien? Erst als ein Freund ihr einen Scan von einem Artikel der aktuellen „Österreich“-Ausgabe schickte, verstand sie, warum Freunde und Bekannte in Sorge waren und warum bereits die wildesten Gerüchte die Runde machten: Sie war mit Name und Bild in der Tageszeitung „Österreich“ abgebildet – als Opfer eines brutalen Raubüberfalles, mit dem sie niemals etwas zu tun hatte.

Der Reihe nach: Am Karsamstag überfiel ein Täter, der sich später der Polizei stellte, ein Geschäft in Klagenfurt. Dabei stahl er nicht nur das Geld aus der Kasse, sondern verletzte die Verkäuferin vermutlich mit den Fäusten und einem Regenschirm schwer – wofür er vom Boulevard zum „Regenschirm-Räuber“ geadelt wurde. „Österreich“ berichtete ausführlich über den Fall und garnierte die Meldung von der Festnahme des Täters mit einem Foto des vermeintlichen Opfers, das mit Vornamen und abgekürztem Nachnamen genannt wurde. Fotocredit: „Privat“ – was zumindest beim Portraitfoto der Klagenfurterin so viel wie „von Facebook geklaut“ bedeutete.

Dass „Österreich“ ausgerechnet die junge Frau – die aus verständlichen Gründen hier nicht noch einmal namentlich genannt werden will – in den Artikel einbaute, hängt wohl damit zusammen, dass sie einmal in dem Geschäft gearbeitet hatte, das am Karsamstag ausgeraubt wurde – doch das ist mittlerweile Jahre her. „Aufregen kann ich mich nicht nur darüber, dass da eine Verwechslung stattfand, sondern auch über die reißerische Schreibweise und die Nennung meines Namens inklusive Facebookfoto!“, erklärte die Betroffene skensegeng gegenüber.

Wie schwer diese Verwechslung wiegt, kann man sich ausmalen – davon zeugen die unzähligen besorgten Anrufe, SMS und E-Mails. Und wie schnell so eine Schreckensmeldung die Runde macht – seien wir uns ehrlich: Klagenfurt ist eine Stadt, in der jeder jeden kennt.

Doch auch, wenn die vermeintliche Verkäuferin wirklich das Opfer der Straftat gewesen wäre: Mit dem besonderen Schutz des Namens und des eigenen Bildes, worauf Opfer von Gewalttaten in der Berichterstattung ein selbstverständliches Recht haben, dürfte man es bei „Österreich“ wohl nicht allzu genau nehmen.

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