Monatsarchiv: August 2012

Ein Murmeltier als Ente

Ich liebe den Sommer. Da machen die lustigsten Geschichten die Runde. Ok, heuer hatten wir etwas Startschwierigkeiten (der Kärntner Politik sei Dank), doch spätestens seit heute bin ich positiv gestimmt, dass es noch was wird mit den zünftigen Sommerlochgeschichten 2012! Bis jetzt halten wir in Kärnten bei einem freischwimmenden Krokodil, einem nackten Radfahrer UND einer Geschichte, die sich wirklich spannend anhört. Es geht dabei um einen Tiroler Buben, der mitten im Nationalpark Hohe Tauern „mit Murmeltieren spricht“, sie streichelt und füttert und von ihnen anscheinend als Teil des Rudels akzeptiert wird. Eine süße Geschichte, die mittlerweile um die Welt geht. Die Wiener Gratiszeitung HEUTE griff – ganz aus dem Häuschen – als erste österreichische Zeitung die Story auf (und wenn mich nicht alles täuscht, werden weitere heimische Berichte folgen):

„Eigentlich wollen die scheuen Murmeltiere am Großglockner in Kärnten mit Menschen nichts zu tun haben. Eigentlich – denn da gibt es noch Matteo Walch (8) aus Innsbruck.
Wie Mogli aus dem „Dschungelbuch“ spricht der Tiroler Bub mit den Tieren. Die Nager laufen dem Schüler zu, lassen sich von ihm sogar stundenlang streicheln und füttern. „Er liebt die Murmeltiere und sie haben gar keine Angst vor ihm“, sagt Mutter Michaela.“

Am Großglockner – das klingt so richtig nach unberührter Natur. Aber: In unmittelbarer Nähe einer Straße, die jeden Sommer von mehreren hunderttausend Fahrzeugen befahren wird, ist die Natur nicht so ganz belassen, wie man sich das vorstellen möchte. Schon gar nicht, wenn in diesen Autos Leute sitzen, die mit ungesundem Zeug wie Mozartkugeln, Wurstsemmeln oder Keksen nach den Tieren werfen.

Kurz gesagt: Speziell im Bereich der Kaiser Franz Josefs-Höhe (wo die Fotos von Matteo gemacht wurden – so wie auch meine Fotos unten) sind die Murmeltiere seit Jahrzehnten handzahm. Da wird so ziemlich jeder, der etwas Essbares mithat, zum „Alpen-Mogli“ (übrigens eine Wortschöpfung, für die man dem verantwortlichen Redakteur eins mit dem Dschungelbuch drüberziehen müsste. Holareidulijö!). Und das, obwohl Murmeltiere „eigentlich“ nichts mit Menschen zu tun haben möchten. Aber dass das „eigentlich“ relativ ist, habe ich schon selbst erfahren – und tausende Touristen auf der Großglockner Hochalpenstraße auch.

Fotos: Peter Lindner, skensegeng.wordpress.com
Bei Namensnennung frei zu verwenden

PS: Solltet ihr die Murmeltiere entlang der Großglockner Hochalpenstraße auch füttern wollen: Bitte nur mit Obst oder Gemüse! Schokolade, Chips, Kekse, gesalzene Nüsse usw. mögen zwar gut gemeint sein, sind aber so ziemlich das schädlichste, was man einem Tier in der (*räusper*) freien Wildbahn antun kann.

UPDATE 19.10 Uhr:
Wie ich erst jetzt gesehen habe, hat es bereits am Nachmittag eine APA-Meldung zu dem Thema gegeben. Und immer mehr Medien springen auf den Zug auf. Die Medien lassen sich aber nicht einmal von den kritischen Postings im Kommentarbereich der Artikel beirren. Bemerkenswert: Die Tiroler Tageszeitung schafft es fast, sich die Geschichte selbst abzuschießen. Erster Absatz:

Warum der Bub die Tiere so anzieht, weiß niemand genau.

Zweiter Absatz:

„Die Murmeltiere sind dort auch sonst durchaus zutraulich“, relativiert Mutter Michaela ein wenig.

Aber jetzt einmal was Anderes: Gratulation an Familie Walch zu den gelungenen Fotos – und dazu, dass die sich jetzt so gut verkaufen. Muss auch einmal gesagt werden! 🙂

UPDATE 30. August:
Tatsächlich sind einige weitere Artikel über den Murmeltier-Flüsterer aufgetaucht. Darunter aber auch einer, der mich SEHR gefreut hat: derstandard.at schlägt als einziges Medium einen anderen Weg ein und zitiert meinen Blog sehr ausführlich – danke dafür! Danke auch an das Team von BILDblog fürs Verlinken.
Auf anderen Plattformen kann man vor allem eines beobachten: Wie resistent man gegenüber kritischen Postings im Kommentarbereich eines Artikels sein kann.

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