Für die Stille konserviert

Für: ST. VEITER, Ausgabe 17-2010

ST. VEITER-Lokalaugenschein am Hochofen in der Heft: 15 Jahre nach der Landesausstellung und ein Jahr nach der letzten Veranstaltung steht der aufwändig umgebaute Komplex leer. Nutzungskonzepte liegen auf Eis.

Es wirkt wie ein im Nirgendwo von Hüttenberg notgelandetes Raumschiff: Die gewaltige Stahlkonstruktion am ehemaligen Hochofen, die Platz für Ausstellungen und Veranstaltungen bietet. Nur eine enge Straße und ein paar Wanderwege führen zu dem Gebäude in der Heft, das im Zuge der Landesausstellung 1995 („Grubenhunt und Ofensau“) um 90 Millionen Schilling (6,5 Millionen Euro) umgebaut wurde. Ein paar Wanderer rasten im Schatten der mächtigen Anlage, alle zehn, fünfzehn Minuten fährt ein Auto vorbei. Wurden hier in den Jahren nach der Landesausstellung noch Veranstaltungen abgehalten, so herrscht seit einem Jahr völlige Stille. Was man auch am Zustand des Gebäudes bemerkt: Die Glasfronten sind staubig, einzig und allein Spinnen dürften sich hier richtig wohlfühlen – ihre Netze an den Türen weisen darauf hin, dass auch diese schon seit einiger Zeit nicht mehr geöffnet wurden.

Ein Jahr Stille. Die letzte Veranstaltung in der Heft ist am 30. September 2009 über die Bühne gegangen, die Spargelwirte hatten an diesem Tag einen Kalender präsentiert. Ein Transparent im Eingangsbereich begrüßt die Besucher noch immer herzlich zur „Biennale Austria“ – sie fand im Jahr 2006 statt. Der Hüttenberger Bürgermeister Josef Ofner zuckt mit den Schultern. „Die Heft wurde noch bis ins Jahr 2007 mit regelmäßigen Veranstaltungen am Leben erhalten. Doch jetzt greifen unsere Vereine auf das Musikzentrum Knappenberg zurück, wenn sie etwas organisieren. Die Infrastruktur dort ist einfach besser“, sagt Ofner.

Keine Tibetische Uni. Die Gemeinde Hüttenberg hat nichts mehr mit dem umgebauten Hochofen zu tun, er befindet sich im Besitz der Finanzabteilung des Landes Kärnten. „Ursprünglich war geplant, hier eine Tibetische Universität einzurichten, in Zusammenhang mit dem Tibetzentrum. Doch das ist nicht zustande gekommen, jetzt passiert dort oben nichts“, erklärt Heinz Diancourt von der Finanzabteilung. Über mögliche Projekte in der näheren Zukunft sei ihm nichts bekannt.

Geld fehlt. Ideen genug hat Stefan Zoltan. Ende 2009 wurde er damit beauftragt, ein Konzept für Hüttenberg zu erstellen, das auch die Heft umfasste. „Ich bin mir dabei vorgekommen wie im Jahr 1995, als es um ein Nachnutzungskonzept für die Heft ging. Damals entstand die Idee, die Kunstsammlung von bauMax-Gründer Karlheinz Essl im Hochofen unterzubringen. Die Landespolitik klatschte Beifall – doch schlussendlich fehlte das Geld“, sagt Zoltan. Mittlerweile ist er sich sicher, dass auch aus seinem neuesten Konzept nichts wird: Wieder sind die Gespräche im Sand verlaufen, finanziell sieht es auch nicht gut aus – „und wenn bis jetzt noch nichts passiert ist, wird auch in nächster Zeit nichts passieren.“

Zukunft? 100.000 Euro pro Jahr würde Hüttenberg für die Umsetzung von Zoltans Konzept benötigen, dann wäre man „aus dem Schneider“ – etwa was die Realisierung der Veranstaltungsreihe „Mythos Berg“ anginge. So schwebte Zoltan vor, ganz im Zeichen Heinrich Harrers, bekannte Bergsteiger nach Hüttenberg zu bringen. Wie sieht er nun die Zukunft der Heft? „Die wird wohl irgendwann zusammenfallen“, sagt Zoltan, nicht ohne einen leisen, verbitterten Unterton. Doch zumindest zusammenfallen sollte das Gebäude nicht – laut Bürgermeister Ofner werden die alten Gemäuer, wenn schon nicht mit Leben erfüllt, so doch zumindest erhalten; oder anders ausgedrückt: Für die Stille konserviert.

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Jedermann 2.0

Jedermann giftelt und fährt einen Porsche. Die Buhlschaft ist über und über tätowiert. Die Tischrunde ist eine zugedröhnte Seitenblicke-Schreckensgesellschaft – und der Teufel höchstpersönlich sehr amüsant. Der St. Georgener Jedermann feierte Premiere.

Bei gefühlten 30 Grad im Stiftshof St. Georgen wartet alles auf den nächsten Geniestreich von keck&co. Diesmal hat sich die Laienspieltruppe unter Regiemeister Adi Peichl an ein großes Projekt gewagt: Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“, das „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ wird aufgeführt, und zwar mit einigen Adaptierungen. Der Jedermann im Jahre 2010 verkörpert Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Er ist kein alter Knacker sondern ein 24-jähriger Neureicher, der gleich zu Beginn, nach einem Wechsel von der epischen Hymne zu Bon Jovis „It’s my life“, mit seiner Clique die Bühne stürmt – und bildlich erklärt, was der Refrain dieses Liedes auf deutsch heißt. Eh klar, dass er nur ein paar Minuten später die Szene stilecht im silbernen Porsche verlässt – Liebschaft am Beifahrersitz inklusive.

Jedermann 2.0, Peter Marktl, ist in St. Georgen am Längsee zwar das um einiges jüngere, dafür aber gleich arrogante Geldschwein wie in den altbekannten Stücken. Mit einem Hauch von Gönnertum umwoben, als er den armen Schuldner einsperren, dessen Frau und Kinder aber versorgen lässt. Die Laune soll wohl nicht gänzlich vermiest werden, wenn die große Party ansteht – mit Verwandten, „Freunden“ und ausgewählten Exemplaren der Bussi-Bussi-Gesellschaft, wie wir sie jeden Abend in den Seitenblicken verfolgen können. Und natürlich mit Buhlschaft Nadja Prasser, überzeugend, fordernd, fesch, tätowiert (Publikumgespräch: „Echt oder aufgemalt?“ – „Echt.“ – „Echt?“ – Echt!“) und gerade den Jedermann verführend, als unter den Klängen der E.A.V. („Neue Helden braucht das Land!“) die Horde hereinbricht.

Die muntere Tischgesellschaft: Betrunken, zugedröhnt, naturgemäß bestens gelaunt und von einer Fernsehkamera inklusive Moderator verfolgt – Dominic Heinzl hätte das wohl nicht besser (schlimmer?) hingekriegt. Die bemitleidenswerte Verflossene Jedermanns wird verspottet und mit wunderbar gekünsteltem Highsociety-„Hahaha“ von der Bühne geekelt – die Figur ist übrigens eine Erfindung der St. Georgener Truppe.

Doch noch bevor das Gelage losgeht, plagen Jedermann düstere Todesvisionen: Her mit dem Ecstasy! Glockenläuten, das außer ihm niemand hört („Glocken, weibliche Glocken, höhöhö!“): Noch ein Schluck des vom Dünnen Vetter gebrauten, wohl nicht ganz legalen, Energydrinks! Die Party geht weiter, es folgen „Let me entertain you“ (Der Dünne Vetter Martin Strutz ist in seinem Element) – und die erste Panikattacke des jungen Hauptdarstellers. Wären da zuvor nicht all die Warnungen gewesen! Vor den Folgen, die ein so gotteslästerliches Leben haben kann! Und es erschallt: „JEEEDEEERMAAANN!!!“ Jedermann irrt umher, ist sich des sicheren Endes bewusst, schreit, krächzt, heult. Gänsehaut beim Publikum – und das an einem Hochsommerabend.

Der Tod (Christian Knees) betritt die Bühne, die ausgelassene Runde flieht. Jedermann hadert mit dem Schicksal, fleht um sein Leben – oder zumindest um einen Aufschub. Und nach langem hin und her gewährt ihm der Gevatter noch eine kurze Frist, Zeugen aufzutreiben, die ihm beim finalen Prozess – Himmel oder Hölle? – zur Seite stehen. Es sieht nicht gut für ihn aus. Der treue Geselle(Adi Peichl jun.) nimmt sein Wort, ihn im Leben und im Tod zu begleiten, plötzlich doch nicht mehr so ernst. Die beiden Vetter, Dick und Dünn, wollen auch nicht so recht durch dick und dünn mit Jedermann – bemerkenswert die ausschweifende Argumentation des „Dicken“ Hermann Traninger. Und der Mammon macht es sich in seinem Tresor gerade so richtig gemütlich. Mitgehen will er nicht, denn schließlich ließe er sich von so einem Menschen gar nix befehlen, nicht er ist der Sklave des Menschen, der Mensch ist abhängig von ihm. Und überhaupt: Irdisch ist der Mammon, und nicht für eine himmlisch-höllische Mission bestimmt. Wie irdisch, das zeigt sich, als die Hebebühne, die ihn aus dem Tresor befördert hat, klemmt und nicht mehr herunterfahren will. Die Technik ist aber das einzige, das versagt. Marktl und auch Mammon Markus Meierhofer überspielen den Defekt routiniert. 

Nachdem er von seinem weltlichen Besitz so richtig runtergeputzt wurde, kommt der nächste Schlag für den jungen Jedermann, der nun ziemlich alt aussieht. In Lumpen gehüllt treten seine Werke auf. Einzig und allein sein Glaube vermag den resignierenden Jedermann halbwegs aufzurichten – aber wird das reichen beim Prozess in der Stiftskirche, zu dem Pfarrer Christian Stromberger den Neureichen geleitet? Glaube und Werke (mittlerweile in einem weißen Kleid), stark verkörpert von Christine Geyer und Uta Slamanig, stellen sich jedenfalls schützend vor die Kirchentür. Das ist auch notwendig.

Denn schreiend und fluchend betritt der Teufel höchstpersönlich, aka Erwin Beiweis, die Bühne. Und er ist das Böse in Person. Trotzt um die erhoffte Jedermanns-Seele, wartet ungeduldig auf das Prozessende, kratzt sich an Stellen, an denen man sich einfach nicht kratzt, wenn man Publikum hat. Und will schließlich an den beiden Weibsbildern vorbei, die noch immer vor der Kirchentür stehen. Vergebens! Abermals fluchend verkrümelt sich Luzifer zurück in sein Höllenloch und kassiert Szenenapplaus – selten ist der Leibhaftige so komisch.

Jedermann tritt aus der Kirche und wird von den Werken und seinem Glauben wieder in die Pforte geführt, aus der Nebel und gleißendes Licht strömen. Happy End für den Jedermann – obwohl er eigentlich schon lange tot ist. Applaus. Standing Ovations. Und Gratulation an alle Beteiligten.

Fotos: Phino

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Feuer und Flamme für Eisen

für: ST. VEITER, Ausgabe 13, 2010

Die Burg Hochosterwitz hat nach Jahrhunderten wieder einen Waffenschmied. Johann Schmidberger fertigt unter anderem die neuen Harnische für die Schweizergarde im Vatikan an.

Würde man im Lexikon neben dem Begriff „Waffenschmied“ ein Bild finden, so würde es höchstwahrscheinlich Johann Schmidberger zeigen. Vollbart, zerzauste Frisur und riesige Hände, die bereits am Vormittag schwarz von der Arbeit sind – das sind die besonderen Kennzeichen des Waffenschmiedes auf Burg Hochosterwitz.

Lange Geschichte. Der gebürtige Oberösterreicher betreibt in Molln im Steyrtal die Waffenschmiede seiner Vorfahren – der Betrieb existiert seit dem 14. Jahrhundert. Und vor 500 Jahren schon überschnitt sich die Geschichte der Schmiede-Dynastie mit der der Burg Hochosterwitz: Damals ging eine Waffenlieferung „Made by Schmidberger“ an die Kärntner Burg. Dass es nun Johann Schmidberger hierher verschlagen hat, ist einigen Zufällen zu verdanken. „Ich habe einmal auf Kundenwunsch einen Harnisch der Khevenhüllers (Besitzer der Burg Hochosterwitz, Anm.) angefertigt und ein Bild davon ins Internet gestellt. Ein Mitarbeiter der Burg hat dieses Bild entdeckt – und von da an entstand ein reger Kontakt“, erzählt Schmidberger.

Wohnung auf der Burg. Nach einigen Auftritten als Schauschmied auf Burg Hochosterwitz kam ein Anruf von dem jetzigen Burgbesitzer Karl Khevenhüller: Ob Schmidberger nicht Lust hätte, auf der Burg zu wohnen und zu arbeiten? „Zwei meiner Söhne führen, während ich im Sommer auf der Burg wohne, den Betrieb in Molln weiter, ich kann mich voll auf sie verlassen“, sagt Schmidberger. Die Grundvoraussetzung, um mit ruhigem Gewissen gemeinsam mit Ehefrau Hildegard auf die Burg zu ziehen – in die einstige Wohnung des Burggrafen oberhalb von Tor 14. Und er fühlt sich sichtlich wohl: „Es ist natürlich etwas Besonderes, auf einer der schönsten Burgen Österreichs wohnen zu dürfen.“ Untertags können die Besucher Schmidberger über die Schulter schauen, wenn er Schwerter, Rüstungen oder Harnische anfertigt oder alte Schmiedewerke restauriert. Oder wenn er an den Rüstungen feilt, die von der Schweizergarde, der traditionellen Leibgarde des Papstes, getragen werden.

Großauftrag. Die Grundmauern für diesen Auftrag wurden beim Papst-Besuch in Mariazell gelegt. Aus dem Vorschlag, alte Harnische der Schweizergarde fachgerecht von Schmidberger restaurieren zu lassen, entwickelte sich die Idee, überhaupt neue anzufertigen. „Die Rüstungen, die die Mitglieder der Schweizergarde jetzt tragen stammen noch aus dem Jahr 1506, also aus der Zeit, in der sie gegründet wurde“, erklärt Schmidberger. Der prunkvolle Harnisch für den Kommandanten wurde bereits geliefert, 80 weitere Stück folgen laufend.

International. Schmidberger konnte sich auch schon über die Grenzen Österreichs hinaus einen Namen machen. So standen auch schon Projekte in weiten Teilen Europas und sogar in Amerika an. Besonders stolz ist Schmidberger darauf, auch schon Rüstungen, Schwerter und Helme für die Salzburger Festspiele hergestellt zu haben, darunter befinden sich zwei Rüstungen für Bruno Ganz und eine für Klaus Maria Brandauer.  Als nächstes stehen neben den Arbeiten an den Harnischen für die Schweizergarde allfällige Restaurationsarbeiten an der Burg an – so will Schmidberger zum Beispiel dafür sorgen, dass die Glocken der Burgkapelle wieder erklingen.

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Himmel, Hölle, Himmel. Mein erster Vierbergelauf

Wenn man sich dazu entscheidet, zum ersten Mal am Vierbergelauf teilzunehmen, ist man laufend von Leuten umringt, die jede Menge gute Tipps auf Lager haben. Ob das eher nervt oder hilfreich ist, lasse ich hier offen – gut gemeint sind die Vorschläge ja allemal. Und sie reichen vom Lobgesang auf die Funktionswäsche über Tipps zur Wahl der richtigen Socken und/oder Blasenpflaster bis hin zu. . . hm. . . recht außergewöhnlichen Tipps, wie den, sich eine Woche vor dem Vierbergelauf nicht mehr die Füße zu waschen. Ein Ratschlag, den ich aus ehrlichem Respekt vor meinen drei Bürokolleginnen natürlich nicht beherzigt habe.

Der Vierbergelauf startet mitten in der Nacht, man legt in seinem Verlauf in bis zu 17 Stunden 52 Kilometer zurück und überwindet 2.500 Höhenmeter. Klingt ganz schön verlockend, oder? Jedenfalls nehmen Jahr für Jahr tausende Menschen daran teil. Auch unsportliche. So wie ich, der schon richtig stolz drauf ist, sich noch nie darüber beschwert zu haben, dass es in meinem Wohnhaus keinen Lift gibt – und das, obwohl meine Wohnung im vierten Stock liegt. Meine persönlichen Motive, daran teilzunehmen? Einfach einmal zu sehen, wie weit Selbsteinschätzung und Selbstüberschätzung auseinanderklaffen. Und so starte ich in der Nacht auf 16. April 2010 beim Vierbergelauf – bei bestem Wetter und ausgerüstet mit Funktionswäsche, Tourenrucksack, Nikon D90, Wanderstöcken, Trinkflasche, Müsliriegeln, ausgelatschten Socken und relativ neuen Bergschuhen.

22 Uhr. Ich mache mich auf den Weg zum Bahnhof, von wo aus die Shuttlebusse auf den Magdalensberg fahren. Der Ansturm ist groß: Besonders auffallend ist, dass viele junge Leute in den Bus drängen. Um 22.40 Uhr fährt auch mein Bus los und die Blechschlange wälzt sich bald mühsam auf den Magdalensberg – je besser das Wetter, desto größer ist eben der Ansturm. Nach einer Stunde Fahrtzeit mache ich mich zu Fuß auf den Weg zur Gipfelkirche.

0 Uhr. Die Messe am Magdalensberg beginnt, die meisten Teilnehmer machen sich bereits jetzt auf den Weg. Die Stimmung ist gut, und das liegt nicht nur an der Übertragung der Messe ins Freie. Denn ganz in der Nähe des Mikrophons muss diese Frau stehen, die nicht besonders schön, dafür aber umso lauter singt. Meine lange Reise beginnt.

2.30 Uhr. Der Pilgerzug bewegt sich den Berg hinunter, tausende Stirnlampen leuchten den Weg aus. Und bei mir macht sich das erste Problem bemerkbar: Schon jetzt kündigt sich eine erste Blase am rechten Fuß an. Erste Hilfe: Den Schuh so fest zuschnüren, wie es nur geht. Und es funktioniert! Ich bin wieder schmerzfrei und kann mich schon wieder in aller Ruhe über die Jugendlichen wundern, die eine „Pause“ einlegen und dosenweise Bier trinken. Die scheinen was zu verwechseln, immerhin heißt das Vierbergelauf und nicht Vierberge-Sauf.

3.30 Uhr. Ich lege die erste Rast in Pörtschach am Berg ein. Es gibt Reindling und Kaffee – ein geniales Frühstück. Das stärkt auch für den Weg auf den Ulrichsberg. Es ist stockdunkel, der Weg ist steil und scheint nicht zu enden. Trotzdem fühle ich mich noch sehr fit.

5 Uhr. Ankunft am Ulrichsberg! Komisch hier oben, so ganz ohne Böllerschüsse, Polizeikontrollen und Skinheads. Ich bilde mir einfach einmal ein, gut in der Zeit zu liegen und genieße die Aussicht auf Klagenfurt. Meine Fruchtsaft-Wasser-Mischung mit ein bisschen Salz habe ich fast aufgebraucht. In der Kirchenruine wird zwischen den „Ehrentafeln“ das Vierbergelaub angeboten. Es wird schön langsam hell und ich mache mich wieder auf den Weg.

5.30 Uhr. Mit den ersten Schritten bin ich überzeugt, dass ich den Vierbergelauf bis zum Schluss zu Ende gehen werde, ich verscheuche ganz souverän das Bild, wie ich mich erschöpft in ein Taxi am Wegrand fallen lasse. Ungefähr eine Minute später habe ich den ersten Einbruch: Die Füße tun schon bei jedem Schritt weh. Besonders wenn es bergab geht so wie jetzt.

6 Uhr. Sonnenaufgang in Karnberg. Ich gehe weiter bis ich vor Zweikirchen zu einem Lagerfeuer komme – es ist am Morgen ziemlich kalt geworden und ich bin wirklich froh, dass ich auch Handschuhe mitgenommen habe. Es ist halb sieben und in Zweikirchen sitzen bereits die Kinder vor den Häusern und warten bibbernd auf die Zuckerln, die sie von den Vierberglern bekommen.

8 Uhr. Ich erfahre, dass ich jetzt „gerade einmal die Hälfte“ des Weges hinter mir habe und erkundige mich, auf welchen Berg wir demnächst müssen „. . . aha, was der? Nein? DER DA HINTEN? Na super.“ In St. Leonhard gönne ich mir einen Leberkäsesemmel und ein kleines Bier. Und – was soll ich sagen? Das scheint wirklich der beste Energydrink zu sein. Die folgende Steigung geht ganz leicht, dann tun allerdings die Füße wieder weh, von den Zehenspitzen bis zu den Oberschenkeln.

9.30 Uhr. Nächste Pause in Liemberg. Beim Aufstehen machen sich Krämpfe in Ober- und Unterschenkeln bemerkbar, aber nach zehn Minuten lassen sie nach. Bleiben nur noch die Schmerzen an den Sohlen, in den Knöcheln und in den Knien.

10 Uhr. Ankunft am Veitsberg – der Weg war sehr steil, angeblich das steilste Stück des ganzen Vierbergelaufes. Ich merke, wie ich schön langsam richtig müde werde und beschließe, ab jetzt jede Stunde eine ausgedehnte Pause einzulegen. Der Weg vom Veitsberg hinunter ist eine Folter – steile Abschnitte, die einfach nicht enden wollen.

12 Uhr. Noch eine Pause – sie wird eine dreiviertel Stunde dauern, danach will ich den Rest durchziehen. Der Weg nach dem Veitsberg führte durch Schlammlöcher, obwohl es tagelang nicht geregnet hat. Ich komme plötzlich wieder drauf, wie viel Spaß es macht, mitten durch den Gatsch zu gehen. Ein paar Schüler, die am trockenen Rand brav hinter ihren Lehrern hertrotten, schauen mich neidisch an.

13.30 Uhr. Jetzt scheint es nicht mehr so weit zu sein – zumindest gefühlsmäßig. Die Sonne brennt herunter, und auch die Vorsitzer-Kinder hier unterscheiden sich deutlich von denen am Morgen. Der etwa fünfjährige Bub mit Lederhose und Hut am Wegrand zum Beispiel: Obwohl schon sehr blass, stopft er sich doch noch ein Zuckerl in den Mund. Und ich schimpfe mit dem letzten Berg, bei dem es einmal bergauf und dann doch wieder bergab geht. Und: Es ist sehr demotivierend, wenn man um die vermeintlich letzte Kurve biegt und dann immer wieder am Horizont Wallfahrer sieht, die sich den Berg nach oben quälen. Schließlich höre ich aber schon die Glocken der Kirche läuten – jetzt kann es aber echt nicht mehr so weit sein.

14.30 Uhr. Ich habe es geschafft! Ich schleppe mich noch irgendwie dahin, setze mich in die Wiese und mache ein paar Fotos. Jedes Mal, wenn ich aufstehe, protestieren meine Füße – ich habe nicht gewusst, dass man hier so viele Stellen hat, die weh tun können. Das unglaubliche Glücksgefühl ist aber dennoch da. Entweder, so sagt man, geht man den Vierbergelauf einmal und nie wieder oder einmal und immer wieder. Und heute, ein paar Tage danach, traue ich mich schon zu sagen: Nächstes Jahr bin ich wieder dabei.

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Die Zahnräder der Zeit

Für: ST. VEITER, Ausgabe 19-2009

Albin Magnet aus Gurk reparierte vor mehr als 30 Jahren das Uhrwerk der Uhr am Gurker Dom. Dem ST. VEITER gibt er zur Zeitumstellung einen Einblick in die Welt aus Zahnrädern, Gewichten und Glocken.

Die Uhr am Gurker Dom stand 57 Jahre lang still. „Vom ersten Weltkrieg an – damals wurden auch die GlockenDom eingeschmolzen – bis ins Jahr 1972. Man hatte die Turmuhr schon aufgegeben – doch ich habe mir einige Uhrwerke angeschaut und versucht, die Uhr in meiner Heimatgemeinde zu reparieren“, sagt Albin Magnet während er in einen Bereich führt, der für die Dombesucher nie zugänglich ist: Hinauf auf den Turm. Mit sicheren Schritten bewältigt er die steile Holzstiege – „ich schätze, diese Stiege bin ich schon tausend Mal hinauf und hinab gegangen.“ Damit begonnen hat er damals, als es sein Ziel war, das uralte Uhrwerk aus dem Jahr 1650 zu reparieren.

Technisch versiert. „Zu Beginn gab es einige Schwierigkeiten, zuerst muss man den gesamten, jahrhunderte alten Mechanismus verstehen. Schließlich habe ich auch den Heiligen Geist um Hilfe bei dieser Aufgabe gebeten“, erzählt Magnet. Und der Heilige Geist scheint technisch höchst versiert zu sein, denn einigen spontanen Eingebungen von Magnet ist es zu verdanken, dass das Uhrwerk noch heute läuft. Mit immerhin 359 Jahren am Buckel, oder besser gesagt am Zahnrad.

Im Uhrwerk. Immer höher führt Magnet in den Turm hinauf, bis etwas unterhalb der Glocken ein Holzverschlag erreicht ist, aus dem ein lautes Ticken ertönt. Mit der Hand schraubt Magnet eine Glühbirne in die Fassung und erklärt den Mechanismus des Uhrwerks, das aus uralten, aber gut geölten Zahnrädern, Rollen und Eisenteilen besteht. „Die Hauptteile des Uhrwerks sind drei Rollen: Eine steuert die Zeit, die zweite ist für das viertelstündliche Läuten und die dritte für das stündliche Anschlagen der großen Hemma-Glocke zuständig.“ Gewichte hängen an jeder Rolle und sorgen dafür, dass die Uhr weitertickt. „Früher musste man die händisch nach oben kurbeln und die Uhr so aufziehen, heute funktioniert das mithilfe von Elektro-Motoren“, sagt Magnet.

Wartungen. Das Alter macht sich aber doch ein bisschen bemerkbar: „Die Uhr läuft pro Minute um etwa vier Sekunden zu langsam, weshalb sie jede Woche nachgestellt werden muss“, sagt Magnet, während sich plötzlich die Rolle links außen laut rasselnd in Bewegung setzt. Zwei Glockenschläge ertönen – halb zwei. Neben den regelmäßigen Wartungen, die neben Magnet auch der Gurker Manfred Themel übernimmt, muss auch die Zeitumstellung händisch bewerkstelligt werden. „Die einfachste Methode ist es, die Uhr so lange anzuhalten, bis die Zeit wieder stimmt, die sie anzeigt“, erklärt Magnet die Prozedur.

Das UhrwerkDer lange Stundenzeiger. Sozusagen ein Stockwerk über dem Uhrwerk hängen die Glocken des Doms. Während die Hemma-Glocke wie erwähnt zu jeder vollen Stunde schlägt, ist die Glocke „Augustin“ jede Viertelstunde zu hören. Über der Glockenstube ist die Uhr des Doms angebracht. Auffällig ist, dass die Stunden mit dem großen und die Minuten mit dem kleinen Zeiger angezeigt werden. „Früher war es einfach wichtig, dass die Leute schon von weitem sehen konnten, wie spät es ungefähr ist. Die Minuten waren damals noch nicht wichtig, Fahrpläne gab es ja keine“, lacht Magnet. Doch neben den „verkehrten“ Zeigern kann die Uhr am Gurker Dom mit einem weiteren Kuriosum aufwarten: An warmen Tagen läuft die Uhr schneller, da sich das drei Meter lange Pendel der Uhr bei hohen Temperaturen ausdehnt.

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Proof of Life :-)

Nur keine Angst, ich lebe noch und mir geht es gut – trotz fast zweimonatiger Blog-Abstinenz. Die Serie mit den Videos zur Wochenmitte habe ich mittlerweile aufgegeben, ich bin draufgekommen, dass sich die viel einfacher über Facebook posten lassen. Ihr erreicht mich dort übrigens über www.facebook.com/plindner1. Nun nutze ich mein Weblog eben, um coole Geschichten, die ich im Laufe eines Jahres so schreibe (oder bereits geschrieben habe) hier zu posten. Immerhin beschert mir zum Beispiel mein Lokalaugenschein am Straußenhof Anderle  noch immer sehr viele Zugriffe. Und interessante Storys gibt es ja genug – den Anfang macht gleich Kameramann Andreas Sacherer aus St. Georgen am Längsee, der mit dem Red Bull Air Race rund um die Welt tourt. Gute Unterhaltung – wir lesen uns!

Peter Lindner

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Er hat die Flugakrobaten im Bild

Für: ST. VEITER, Ausgabe 18-2009. Fotos: KK/Sacherer

Andreas Sacherer (37) aus St. Georgen am Längsee begleitet als Kameramann das Red Bull Air Race rund um die Welt. Anlässlich des Saisonfinales stellt der ST. VEITER den weitgereisten Filmer vor.

Plakat

Dieses Wochenende matchen sich die besten Kunstflieger der Welt beim Red Bull Air Race in Barcelona um den WM-Titel – und ein St. Georgener ist mittendrin. Andreas Sacherer ist seit dem Jahr 2005 im Auftrag der Münchner Firma SiVision als Kameramann beim Air Race dabei. „Ich bin bei den Rennen am Flughafen stationiert, das ist so etwas wie die Boxengasse in der Formel 1. Da bei den Bewerben sehr hohe Sicherheitsstandards gelten, vergeht zwischen den Starts der einzelnen Piloten einige Zeit. Diese Zeit füllen wir mit Hintergrundberichten, Interviews und zeigen die Piloten bei ihren Vorbereitungen“, erklärt Sacherer. Der Bewerb in Barcelona ist der letzte im diesjährigen Air Race-Kalender. „Ich glaube, dass der britische Pilot Paul Bonhomme das Rennen machen wird, obwohl der Österreicher Hannes Arch auch keine schlechten Karten hat“, gibt Sacherer seinen Tipp für die heurige WM-Wertung ab.

 Start in Kärnten. Begonnen hat Sacherer seine Karriere beim Kärntner ORF. „Schon als Jugendlicher habe ich sehr gerne fotografiert und dann als Kamera-Assistent gearbeitet. Bei einer Filmfirma habe ich im Laufe der Zeit gelernt,Kamera wie man Berichte schneidet, für den ORF und auch für Premiere berichtete ich von verschiedenen Sport-Events, wie Fußballspielen oder Schirennen“, sagt Sacherer. Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit kamen nach und nach große Aufträge dazu, wie zum Beispiel die ersten internationalen Filmarbeiten im Jahr 2003: „Damals begleitete ich als einziger Kameramann die Beachvolleyball-Welttour“, erzählt der St. Georgener.

 Sting-Konzerte. Im Jahr 2005 ging er schließlich zum ersten Mal mit dem Red Bull Air Race auf Welttournee. Durch diesen Job lernte er auch, wie er sagt, „jede Menge Leute kennen – zum Beispiel einen Produzenten aus Los Angeles, in dessen Auftrag ich im Jahr 2007 bei einem Konzert von Sting in Buenos Aires filmen durfte.“ Und dass Sacherer dabei einen tollen Job gemacht hatte, wurde vor wenigen Wochen noch einmal klar: Diesmal galt es abermals, Sting bei einem Konzert in London in zu filmen, wieder fiel die Wahl auf Sacherer. „So etwas erlebt man nicht alle Tage. Die Dreharbeiten bei diesen beiden Konzerten zählen sicher zu den Höhepunkten meiner Karriere“, sagt Sacherer.

 Vancouver wartet. Natürlich kommt Sacherers Reiselust ihm bei diesem Job zugute. „Der Sommer ist deutlich verlängert, seit ich mit dem Air Race unterwegs bin, schließlich finden die ersten Rennen der Saison in Australien, Abu Dhabi und Rio de Janeiro statt“, sagt Sacherer. Neben den vielen Einblicken, die er oft schnell hintereinander von den verschiedenen Kulturen der Welt bekommt, schätzt Sacherer aber auch das Gefühl, nach Hause zu kommen. Er hat nämlich drei wichtige Gründe, um so viel von seiner Freizeit wie nur möglich in St. Georgen zu verbringen: Diese Gründe heißen Cornelia, Chiara (5) und Luca (2) – Sacherers Frau und die zwei Kinder. „Vor allem seit die Kinder da sind, fällt es mir oft schwer, eine Reise anzutreten“,  sagt Sacherer. Umso größer ist aber dann die Freude, wieder heim zu kommen – mit Barbie-Puppen und Spielzeugtraktoren aus aller Welt als Mitbringsel für die Kinder im Gepäck. Im Sacherer Hicke ArchWinter dürften übrigens kanadische Exponate dazukommen: Sacherer ist bei den olympischen Spielen in Vancouver als ORF-Kameramann bei den Alpinbewerben am Werk.

www.andreassacherer.at

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